Prolog
Nach langer Vorbereitungsphase sollte es am Donnerstag, dem 7. Juni 2012, zeitig in der Früh endlich losgehen mit dem alljährlichen Gradwanderer Frühlings-/Sommerausflug. Die Organisation dieses Identität stiftenden Event hat dieses mal Susi Hoffer übernommen, ein Umstand, der die Messlatte bezüglich Qualität der Organisation beträchtlich nach oben schraubte. In der ursprünglichen Planung war eine viertägige Hüttentour rund um das ca. 30 km östlich des Gardasees gelegenen Gebirgsmassiv des Pasubio vorgesehen. Dieses Gebiet ist vor allem historisch bedeutsam aufgrund seiner strategischen Position im ersten Weltkrieg. Neben unzähligen Bombenkratern zeugen zahlreiche militärische Stellungen, Kasernen und Versorgungsstraßen, die mit dem Moutainbike mal gut, mal weniger gut zu befahren sind, von den grausamen Schlachten, die hier um jeden Berggipfel geführt wurden. Das Angebot für Mountainbiker wird durch eine Vielzahl von Wanderwegen und Trails ergänzt, die förmlich danach schreien unter die groben Stollen von Fat Albert, Hans Dampf und Nobby Nic genommen zu werden.
Neben diesen für sich genommen perfekten Grundvoraussetzungen für einen legendären Mountainbikeurlaub sollte auf einer mehrtägigen Hüttentour natürlich auch das Wetter perfekt passen. Leider durchkreuzte die miserable Wettervorhersage alle zuvor sorgsam geschmiedeten Pläne; der ursprüngliche Etappenplan musste somit kurzfristig von Susi entsprechend adaptiert werden. Aufgrund der passablen Wetterprognose für die beiden ersten Tage wurden die ursprünglich für Tag 2 und 3 geplanten Touren vorgezogen, wodurch wir doch in den Genuss eines wenngleich kleinen Giro del Pasubio kommen sollten. Für die beiden verbleibenden Tage standen je nach Wettersituation Tagestouren bzw. Exkursionen auf dem Plan.
Unbeeindruckt von der Wettervorhersage stellten sich schlussendlich 10 mutige und furchtlose Teilnehmer/innen der Herausforderung Pasubio. Leider mussten Manfred Nothegger, Thomas Stöckl und Patrik Pircher ihre Teilnahme kurzfristig absagen. Dieser Bericht wird sicher dazu beitragen, die aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen gefällte Entscheidung, zu bereuen. Die Gruppe der Unerschrockenen umfasste somit Roland Egle, Martin Koch, Johannes Sonderegger, Christoph Berloffa, Christof Seifarth, Susanna Hoffer, Stefan Szauter, Martin Ladner, Thomas Wachtler und Matthias Stöckl.
Der hier vorliegende Bericht hat das Ziel, die zahlreichen Ereignisse und Eindrücke dieser Frühlingsausfahrt chronologisch zu dokumentieren. In jedem der folgenden vier Kapitel (Kapitel 2 — 5) wird jeweils ein Tag beschrieben. Abschließend bietet Kapitel 6 eine Gesamtüberblick und zieht Schlussfolgerungen für kommende Ausfahrten. Ich darf mich bei allen bedanken, die ihre Fotos zur Verfügung gestellt haben.
Tag 1:
Passo Pian delle Fugazze (1162 m) — Rifugio Revolto (1356 m)
Anreise
Nachdem die Anreiseformalitäten im Vorfeld geklärt wurden, wurde als erster Treffpunkt die Autobahnraststätte Schönberg ausgemacht. Als sich um 6 Uhr schließlich der Großteil der Meute zeitgerecht eingefunden hat, wurde auch schnell klar, dass ein kleines Detail nicht ganz schlüssig war. Wo blieb nur der silbergraue VW Bus von Ladi? Auf diese Antwort wusste schließlich Susi die Antwort: Ladi und Roland sind bereits am Vorabend spontan nach Italien aufgebrochen. Einen Vorteil hatte die überhastete Anreise allerdings. Ladi konnte berichten, dass aufgrund einer Mure die reguläre Straße zum Startpunkt der ersten Etappe gesperrt ist. Nach Rücksprache mit dem Hüttenwirt am Passo Pian delle Fugazze war aber schnell klar, dass eine etwas längere Ersatzstrecke befahrbar ist und so macht sich der Rest der Truppe frohen Herzens auf Richtung Rovereto. Nach problemlosen und schnellen Autobahnkilometern und einem ersten italienischen Kaffee auf einer Autobahnraststätte machen wir uns in Roverto auf zum Ausgangspunkt der ersten Etappe, den wir nach einigen GPS bedingten Umwegen schließlich auch erreichen. Nach einer ausgiebigen Begrüßung von Ladi und Roland wurden schnell die letzten Vorbereitungen für die zweitägige Hüttentour getroffen. Zudem mussten die Neuerwerbungen im Bikesektor begutachtet werden (Ladi->Liteville, Matthias->Stevens). Bei den Gradwanderern ist somit eine eindeutige Tendenz Richtung All-Mountain Bikes erkennbar, damit einhergehend konvergiert die Reifenbreite gegen 2.4. Gegen 10 Uhr ertönte schlussendlich das Zeichen zum Aufbruch.
Tour
Die Wolken hängen tief an diesem ersten Tag und so bekommen wir die Sonne nur sehr selten zu Gesicht. Zusätzlich ist es sehr schwül und so fließt der Schweiß trotz der gedämpften Temperaturen in Strömen. Aber wenigstens regnet es nicht. Frohen Mutes machen wir uns auf zur ersten Etappe, unser Enthusiasmus wird aber bereits nach noch nicht einmal einem gefahrenen Kilometer gebremst: Die erste Panne! Martin Koch hat einen Platten, obwohl er tubeless unterwegs ist! Mit verschiedenen Maßnahmen (pumpen, zusätzliche Dichtmilch, pumpen) wird versucht, dem Luftverlust Herr zu werden und den Reifen wieder dicht zu bekommen, was schlussendlich auch gelingt. Wieder nur kurz im Sattel ereilt Ladi (auch tubeless) das gleiche Schicksal, er kommentiert das aber mit einem gelassenen: “Der wird schon dicht!“ Die beiden und schließlich auch Christoph pumpen noch gefühlte fünfzig mal an diesem Tag um ihre Reifen dicht zu bekommen.
Nach Beheben der Pannen erreichen wir nach einigen unaufgeregten Kilometern und Höhenmetern über Asphalt und Forstwege die erste Labestation, das Rifugio Cesare Battisti. Hier essen wir das erste mal Nudeln und nach einem Espresso brechen wir auf Richtung Rifugio Revolto. Endlich wird der Weg alpiner und fahrtechnisch etwas anspruchsvoller. Ein Blick auf das Höhenprofil zeigt, dass die Tour neben langen Anstiegen auch durch viel auf und ab gekennzeichnet ist. Wir befahren schmale Wege und dunkle Tunnel, leider können wir die sicher tolle Aussicht aufgrund der dichten Wolkendecke nicht genießen.
Nach anstrengenden Auf- und Abfahrten erreichen wir gegen Abend schließlich das Rifugio Revolto. Durch all die pannenbedingten Pausen war die Tour sehr lange und aufgrund der Luftfeuchtigkeit sehr schweißtreibend, ein Radler hilft aber allen, die verlorenen Mineralien und den Flüssigkeitsspeicher wieder aufzufüllen. Schnell beziehen wir unsere Zimmer und widmen uns der Körperpflege, was bei zwei wasser- und druckarmen Duschen und 10 verschwitzten Bikern doch etwas Zeit in Anspruch nimmt. Diese Unannehmlichkeiten werden aber durch das hervorragende Abendmahl schnell vergessen gemacht. Der Anteil an Kohlenhydrate ist hoch, das besondere Highlight des Abends ist der frisch zubereitete Polenta aus dem Kupferkessel. Mit vollem Magen und nach etwas Rotwein wird die Stimmung immer lockerer bis sich schließlich die Frage nach dem Schnaps stellt. Neben der verdauungsfördernden Wirkung, erklärt uns Stefan, kann ein Grappa auch geschickt zur Eroberung von Frauen eingesetzt werden, was dem Grappa auch den Spitznamen “Schenkelspreizer“ eingebracht hat. Nach der frühen Anreise und der anstrengenden Tour findet der Abend früh sein Ende und bald lauschen alle angestrengt an ihren Kopfpolstern. Insgesamt war der erste Tag sehr schön, wenn auch durch viele Pannen und dadurch bedingt durch viele unfreiwillige Pausen geprägt. Leider hat uns die dichte Wolkendecke den Ausblick auf die wunderschöne Bergwelt des Pasubio etwas vereitelt. Schlussendlich haben wir rund 50 km Strecke zurückgelegt und dabei ca. 2,160 Höhenmeter bewältigt. Zum Glück sind wir von größeren technischen Defekten verschont geblieben.








