von VWL-Basics-mysteriösen Hautflecken und Zufallsrennen

Juni und jeder erwartet schon sehnlichst die Sonne des Südens, die uns im heurigen Jahr nicht oft verwöhnt hat. Die Wetterseiten sind in den letzten Tagen heiss gelaufen, die clicks gehen ins Unendliche, jeder will nur wissen, wie denn wohl das Wetter am Comersee ist. Bei der Abfahrt in Innsbruck wird dann klar: Die Fahrt ist zwar lang, aber jeden Autokilometer wert! Nach St. Moritz klettert auf der Abfahrt über den Malojapass das Thermometer alle paar Kilometer in ingewohnte Höhen! Drei Köpfe in unserem Auto kleben förmlich an der Temperaturanzeige, bis wir dann endlich wagen, die Fenster aufzumachen, und siehe da, ein laues Lüftchen, wie es ein Biker nicht lieber haben könnte!

Vor wir wirklich zum See fahren, führt Mampf die erste Tour im Valtellino. Schon beim Auspacken der Räder zeigt sich ein kollektives Grinsen in allen Gesichtern! Kurz vor dem ersten Sattel der Tour kommt jedoch der erste Rückschlag: Schnee, viel Schnee, … seeehr viel Schnee… leider zu viel, um rüberzutragen und die Tour wie gewollt fortzusetzen. Zwischenzeitlich musste Susi sich einen Forstarbeiter (fescher Italiener!!) genauer ansehen, und hat tatsächlich diese Abzweigung verpasst:

…ja, Susi, war ned gut sichtbar, wir verstehen das…

Tag 2 beginnt mit einer Fahrt entlang des Westufers im morgendlichen Verkehrswahnsinn, trotzdem genial, Temperatur passt, Sonne passt, Haxn passen (noch), See passt… dann die erste Auffahrt auf Asphalt, es wird heiß, heißer und am heißesten, aber keiner wagt sich ernsthaft über ein so traumhaftes Wetter zu beklagen!

Als es dann von den kleinen Dörflein weg in die Wälder gehen soll, erste Verwirrung… das GPS-Trappele zeigt nix an, da muss wohl die gute alte Landkarte her. Susi schwört wie immer auf Tabacco, doch bald zeigt sich, dass alle Mühen, auf der Karte den richtigen Weg zu finden, umsonst sind. Wir stecken fest in einem Gewirr von zahllosen Abzweigungen, alten oder neuen Wegweisern, die einfach nicht mit der Karte übereinstimmen wollen. Auch der GPS-Oldie will einfach nicht mehr wissen, wo er ist. Gut, schauen wir halt mal auf der Kompasskarte von Christof nach, und Siehe da, bald erklärt sich, welcher Weg der Richtige ist. Endlich aus dem Wald, erklärt sich der Rest der Tour von selbst, über einen traumhaften Höhenweg, der schlussendlich zur Malga Lenno am Monte Tremezzo führt.

Hier zeigt sich bald der fast schon typische Unterschied zwischen unseren Radsportvernarrten südlichen Nachbarn und uns. Der vor uns liegende Singletrail ist definitiv keine offizielle Radroute, was einen Biker in unseren Breitengraden dazu veranlassen würde, sich schnellstens umzuziehen, möglichst kein Aufsehen zu erregen, vielleicht noch absichtlich die Gabel abgesenkt lassen (wir fahren doch nicht da runter!), sich möglichst schnell von potentiellen Konfliktorten (Hütte mit Hüttenwirt) zu entfernen und die Knieschützer sowieso erst anzuziehen, wenn man gut ausser Sichtweite ist!

Wir ignorieren das ganz einfach, legen uns neben der Hütte in das fiesteste Gras der Welt (dazu später noch!!), und geniessen einfach die Ruhe, Sonne und alles. Als plötzlich der Hüttenwirt auf uns zumarschiert, bereiten wir uns schon auf unangenehme Diskussionen vor, doch NEIN!, wo wir hinfahren, will er wissen. Susi erklärt, was geplant wäre, doch der erwartete Zornesausbruch bleibt aus. Stattdessen fängt er an zu grinsen und meint, wir sollen unbedingt vorher noch auf den kleinen Vorgipfel fahren, weil da noch die schönere Aussicht sei, wünscht und gute Fahrt und viel Spaß und versucht wieder, seinen Hund zu holen! Hier bedarf es wohl keiner weiteren Kommentare! Einfach geil! 😉

Die Abfahrt vom Tremezzo, der schiere Wahnsinn, von Spitzkehren bis richtig genialem Flow ist alles dabei, und sie hört nicht auf, und sie hört nicht auf, und sie hört nicht auf…

Endlich im Tal gönnen wir uns in Menaggio ein Bier am Hauptplatz… wo ich dann plötzlich bemerke, dass ich etwas unflüssig bin… zumindest finanzmäßig gesehen… Meine Geldtasche liegt tatsächlich noch bei der Alm am Tremezzo und ich muss mich wohl entscheiden, ob ich nochmal da rauf fahre.

Schlussendlich fahre ich in einer verrückten Aktion am nächsten Morgen schon vor 6 den langen Weg zur Malga und wieder zurück, Gottseidank nicht mehr mit dem Radl, da ein Fahrweg bis hinauf geht. Müde, aber froh, dass ich die Geldtasche wieder habe, bin ich schon zum Frühstück zurück.

Tag 3 beginnt auf der anderen Seite des Sees von Varenna bis zur Alpe Giumello. Die Abfahrt nicht extrem schwierig, dafür um so schöner. Ein genialer Tag muss genial gefeiert werden. In unserem (man muss fast schon sagen Stamm-) lokal kriegen wir von Matthias einen Schnellsiedekurs in angewandter VWL. Der Grenznutzen des 4. Biers… die Budgetrestriktion, der man sich stellen muss… sorry, Matthias, beim Grenznutzen warst du zu spät!

Tag 4 heißt schon wieder Abreise und wir entscheiden uns, nochmal die Fähre zu nehmen und eine kurze Runde von Varenna aus zu machen, die uns Tom empfohlen hat. Kurz vor der Abfahrt meine ich, mal jemanden zu fragen, was denn diese violetten Punkte auf meiner Haut rund um den Bauch sein könnten! Susi sagt nicht viel, außer: „zeig das mal dem Mampf, der hat das auch!“ Wir beide schauen aus, als hätten wir die schlimmste Form von Gürtelrose, und nachdem jeder uns begutachtet hat, finden auch Christof, Susi und Martin diese Punkte an verschiedenen Stellen… nachdem sie nicht jucken, lassen wirs dabei und freuen uns, dass wir ein sensationelles Gesprächsthema gefunden haben! 😉

Nachdem am Lago keine MTBer anzutreffen sind, messen wir uns an den spärlichen Rennradlern, die herumschwirren. Wieder mal kanns keiner lassen und beim ersten Sichtkontakt mit unsern schmalreifigen Kollegen wird das Tempo verschärft (GAAANZ zufällig). Leider keine würdigen Gegner, reißen schwer geknickten Italiener bald ab…

So kurz der Anstieg, so kurz die Abfahrt, dafür umso knackiger und ein geniales Abschluss-Special! Danke Tom!